Buch | Kapitel
Gestaltpsychologische Denkmodelle für die Struktur der Sprache
pp. 94-105
Abstrakt
Warum in den wissenschaftstheoretischen Erörterungen der Gegenwart das Modell der diskontinuierlichen Wissenschaftsentwicklung, der revolutionären Ablösung überkommener methodologisch-theoretischer Paradigmen durch gänzlich neue (Kuhn, 1967) so beliebt ist, ist eine Frage für sich. Eine empirische Historiographie der Wissenschaft würde sich vermutlich nicht auf diesen wunschbild-weltbildverdächtigen Typus des wissenschaftlichen Fortschritts als den Normalfall festlegen können. Sie müßte sich mit manchen anderen faktischen Entwicklungsverläufen, auch z. B. mit der Wiederkehr gleicher, zeitweilig vernachlässigter Paradigmen auf höherer Entwicklungsstufe und mit ihrer Anwendung in neuen Problemfeldern zu beschäftigen haben(vgl. die Diskussion von Groeben in diesem Band). Vielleicht käme dabei heraus, daß nicht in erster Linie die revolutionär erscheinenden Entwicklungsstöße, sondern die renaissancehaften Verläufe für die Wissenschaft von großer Bedeutung sind, zumal diese im allgemeinen nicht die Drift wissenschaftlicher Modeströme ausnutzen können, sondern sich mit ihrer sachlichen Adäquatheit und heuristischen Fruchtbarkeit durchsetzen müssen, nicht selten sogar gegen den Widerstand jener modischen Ströme.
Publication details
Published in:
Ertel Suitbert, Kemmler Lilly, Stadler Michael (1975) Gestalttheorie in der Modernen Psychologie: Wolfgang Metzger zum 75. Geburtstag. Heidelberg, Steinkopff.
Seiten: 94-105
DOI: 10.1007/978-3-642-72312-4_9
Referenz:
Ertel Suitbert (1975) „Gestaltpsychologische Denkmodelle für die Struktur der Sprache“, In: S. Ertel, L. Kemmler & M. Stadler (Hrsg.), Gestalttheorie in der Modernen Psychologie, Heidelberg, Steinkopff, 94–105.