Deutsche Gesellschaft
für phänomenologische Forschung

Buch | Kapitel

204899

Die Politik der Anerkennung

Zum Zusammenhang von Authentizität und Anerkennung (Charles Taylor)

Nicole Balzer

pp. 175-237

Abstrakt

Neben Axel Honneth kann der kanadische Sozialphilosoph Charles Taylor als einer der Autoren im Anerkennungsdiskurs des 20. Jahrhunderts gelten. So hat sein Essay Die Politik der Anerkennung (vgl. Taylor 1993 wie 2009) nicht nur eine "weitreichende[.] und einschlägige[.] Debatte um die Bedeutung von kollektiven Identitäten" (Emcke 2000a, 74) ausgelöst, sondern auch die Diskussionen um die Bedeutung von Anerkennung in der politischen bzw. öffentlichen Sphäre insgesamt maßgeblich geprägt. Während Honneths Anerkennungstheorie in politikphilosophischen und -theoretischen Überlegungen zur Anerkennung von kollektiven Identitäten sowie zur ‚Anerkennung zwischen den Kulturen" lange Zeit eine marginale Rolle spielte, stellt Taylors Essay in diesen einen "Schlüsseltext" (Cooke 2009, 17) dar (vgl. van Leeuwen 2007, 180f.). So lässt sich kaum eine Abhandlung zu Fragen der ‚Anerkennung von Differenz" finden, in der nicht auf ihn zurückgegriffen wird. Im erziehungswissenschaftlichen Diskurs stellte jedoch Honneths Theorie auch in der anerkennungstheoretisch justierten Debatte um (insbesondere kulturelle) ‚Differenz" zumeist die Hauptbezugstheorie dar, was sich wohl auch dem Umstand verdankt, dass Honneth mit seinem Entwurf einer anerkennungstheoretischen Ethik einen Vermittlungsrahmen verschiedener sozialphilosophischer Ansätze bietet, mit dem Gleichheit und Differenz, Universalität und Partikularität als verschiedene normative Ebenen fassbar werden und der in seiner formalen Ausrichtung der Auflösung traditionaler Lebenszusammenhänge, der Pluralisierung von Lebensstilen, Werteordnungen und kulturellen Praktiken sowie der Multinationalität und Multiethnizität westlicher Gesellschaften Rechnung trägt. An Taylors Politik der Anerkennung lässt sich dennoch "jene Grundintuition einer interkulturellen Anerkennung ablesen" (Bedorf 2010, 18), die sowohl in den Kultur- und Sozialwissenschaften als auch in der Erziehungswissenschaft "auch jenseits des Taylorschen Ansatzes Bedeutung erlangt hat" (ebd.).

Publication details

Published in:

Balzer Nicole (2014) Spuren der Anerkennung: Studien zu einer sozial- und erziehungswissenschaftlichen Kategorie. Dordrecht, Springer.

Seiten: 175-237

DOI: 10.1007/978-3-658-03047-6_3

Referenz:

Balzer Nicole (2014) Die Politik der Anerkennung: Zum Zusammenhang von Authentizität und Anerkennung (Charles Taylor), In: Spuren der Anerkennung, Dordrecht, Springer, 175–237.