Buch | Kapitel
Eric Voegelin
Transzendenzerfahrung und Geschichtsphilosophie
pp. 62-92
Abstrakt
Im Rückblick berichtete Eric Voegelin, daß er um 1930 die Absicht verfolgt habe, eine »systematische Theorie der Politik zu schreiben«, was jedoch fehlgeschlagen sei: »Ich hatte die ›Theorie des Rechts‹ und die ›Theorie der Macht‹ abgeschlossen, dann aber fand ich heraus, daß ich das Problem der politischen Ideen nicht auf befriedigende Weise behandeln konnte […].«19 Etwa in dieser Zeit beschloß er auch, Griechisch zu lernen, überzeugt davon, daß ein guter Politikwissenschaftler in der Lage sein sollte, Aristoteles und Platon im Original zu verstehen (AB 57). Voegelin nutzte die folgenden Jahre, um ein umfangreiches ideengeschichtliches Wissen zu erwerben. Kurz nach seiner Ankunft in Amerika unterzeichnete er einen Vertrag für eine als einführendes Lehrbuch gedachte History of Political Ideas. Dieses Projekt sollte ihn ein ganzes Jahrzehnt beschäftigen, ohne jemals zu der geplanten Veröffentlichung zu führen. Nachdem er bereits mehr als tausend Seiten geschrieben hatte, ging Voegelin auf, daß »der Begriff der Ideen eine ideologische Deformierung der Realität ist«. »Es gab keine Ideen, wenn es keine Symbole unmittelbarer Erfahrungen gab.« (AB 83). Aus der politischen Ideengeschichte wurde eine Geschichte der Transzendenzerfahrung und ihrer Symbolisierung in politischen Ordnungsformen. Dieser Paradigmenwechsel eröffnete Voegelin neue Perspektiven und bahnte einen ungewöhnlichen Weg zu Aristoteles.
Publication details
Published in:
Gutschker Thomas (2002) Aristotelische Diskurse: Aristoteles in der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Stuttgart, Metzler.
Seiten: 62-92
DOI: 10.1007/978-3-476-05252-0_3
Referenz:
Gutschker Thomas (2002) Eric Voegelin: Transzendenzerfahrung und Geschichtsphilosophie, In: Aristotelische Diskurse, Stuttgart, Metzler, 62–92.