Zwischen Zeitkritik und Ausgewogenheitsdiktat
pp. 109-129
Abstrakt
Der Beitrag skizziert Entwicklungstendenzen im bundesdeutschen Fernsehdokumentarismus. Er zeigt auf, wie eine politische Haltung seit den 1960er-Jahren zunehmend verschwindet – hörbar auch als Verlust der ‚Autorenstimme". Seit der politisch motivieren "Rotfunkkampagne" der 1970er-Jahren führt ein falsch verstandenes Ausgewogenheitspostulat zu einem schleichenden Verschwinden des Autorenstandpunkts, den noch die sogenannte Stuttgarter Schule mit ihrer ironisch-spöttischen Zeitkritik auszeichnete. Symptomatisch dafür ist insbesondere die Zunahme an Talk-Shows, die ein jeweils hegemoniales Meinungsspektrum widerspiegeln, bei denen der gastgebende Journalist aber lediglich die Rolle eines neutralen Moderators einnimmt.
Publication details
Published in:
Heinze Carsten, Schlegelmilch Arthur (2019) Der dokumentarische Film und die Wissenschaften: Interdisziplinäre Betrachtungen und Ansätze. Dordrecht, Springer.
Seiten: 109-129
DOI: 10.1007/978-3-658-20832-5_6
Referenz:
Hißnauer Christian (2019) „Zwischen Zeitkritik und Ausgewogenheitsdiktat“, In: C. Heinze & A. Schlegelmilch (Hrsg.), Der dokumentarische Film und die Wissenschaften, Dordrecht, Springer, 109–129.