Buch | Kapitel
Musikalische Latenzen
pp. 137-159
Abstrakt
Das Problem der musikalischen Latenzen stellte sich für den Referenten ursprünglich im Rahmen einer Studie zur Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie der musikalischen Analyse.1 Dabei bildete die Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen musikanalytische Methoden zu wissenschaftlich objektiven Resultaten fuhren können, einen Ausgangspunkt der Überlegungen. Schon in deren Vorfeld war zu vermuten, daß dem nichtexpliziten Teil der "musikalischen Realität" in solchem Zusammenhang ein besonderer Stellenwert beizumessen sei; im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung wurde deutlich, daß die Analyse, falls sie ihren Gegenstand nicht verfehlen soll, auf den Nachweis der latenten Elemente desselben keineswegs verzichten kann. Die damit verbundenen methodologischen Probleme sichtbar und somit besser kontrollierbar zu machen, war ein Hauptanliegen der Untersuchung; indessen schienen sowohl die erkenntnistheoretischen Implikationen der Thematik als auch die Vielzahl der Verbindungen, welche sich zu unterschiedlichen Konzeptionen der Musiktheorie bzw. -analyse herstellen ließen, über die Belange der wissenschaftlichen Methodenlehre hinauszuweisen. Dem hier unternommenen Versuch einer einführenden Darstellung sei der Hinweis vorausgeschickt, daß es sich bei den besagten "musikalischen Latenzen" nicht um neuartige, bislang unbekannte Erscheinungen handelt; vielmehr gestattet es ihr Begriff, eine Reihe bereits dokumentierter Phänomene im Zusammenhang zu betrachten und somit ihre Gemeinsamkeiten ebenso wie ihre charakteristischen Eigenschaften sichtbar und dadurch der Diskussion zugänglich zu machen.
Publication details
Published in:
Polth Michael, Schwab-Felisch Oliver, Thorau Christian (2000) Klang — Struktur — Metapher: Musikalische Analyse zwischen Phänomen und Begriff. Stuttgart, Metzler.
Seiten: 137-159
DOI: 10.1007/978-3-476-01901-1_8
Referenz:
Moraitis Andreas (2000) „Musikalische Latenzen“, In: M. Polth, O. Schwab-Felisch & C. Thorau (Hrsg.), Klang — Struktur — Metapher, Stuttgart, Metzler, 137–159.