Deutsche Gesellschaft
für phänomenologische Forschung

Buch | Kapitel

198958

Historische Anthropologie

Neue Perspektiven zu Grundlagen und Voraussetzungen der Sozialpädagogik

Christoph Wulf

pp. 155-168

Abstrakt

Dass dem sozialpädagogischen Handeln unterschiedliche implizite Menschenbilder zugrunde liegen, zeigt bereits ein Blick auf die Geschichte der Sozialpädagogik. Natorps Diktum "Der Mensch wird zum Mensch allein durch die menschliche Gemeinschaft" (Natorp 1974) oder Nohls Auffassung, dass der "pädagogische Bezug" im Zentrum der Sozialpädagogik zu stehen habe, zeigen die Unterschiedlichkeit der jeweiligen anthropologischen Annahmen. Auch heutige Aufgabenbestimmungen sozialpädagogischer Arbeit beziehen sich auf unterschiedliche Auffassungen von der menschlichen Bildungsbedürftigkeit und Bildsamkeit (Hering/Münchmeier 2003). Im Rahmen der Sozialpädagogik wird davon ausgegangen, dass beide in starkem Maße durch die jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen bedingt sind. Auch dieser Auffassung liegen anthropologische Annahmen über die " Vervollkomm nung des Unverbesserlichen " zugrunde. Kants Einsichten, dass der Mensch nur durch Erziehung zum Menschen werde, dass er zugleich aber aus krummen Holz sei und daher nicht gerade gemacht werden könne, sind Ausdruck von Widersprüchen, die auch das sozialpädagogische Handeln bestimmen.

Publication details

Published in:

Mnchmeier Richard, et al. (2004) "Liebe allein genügt nicht": historische und systematische Dimensionen der Sozialpädagogik. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Seiten: 155-168

DOI: 10.1007/978-3-663-10670-8_10

Referenz:

Wulf Christoph (2004) Historische Anthropologie: Neue Perspektiven zu Grundlagen und Voraussetzungen der Sozialpädagogik, In: "Liebe allein genügt nicht", Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 155–168.