Buch | Kapitel
Einleitung
pp. 13-19
Abstrakt
Der Titel dieser Arbeit ist mit der Aneinanderreihung der Begriffe Instinkt, Psyche und Geltung wegen seines Anspruchs nur zögernd, aber unter fast zwingendem Druck gewählt worden. Ein immer wieder neuer Anlaß zur Beschäftigung mit dem »Menschen« in Abhebung vom »Tier« war und ist offenbar die Frage nach der Legitimierung, dem Sinn und nach den eigentlichen Sicherungen des Lebens. Was steckt z. B. in der angepaßten Sicherheit der Führung durch Instinkt, die immer imponiert hat, woher kommt sie, was hat sie theoretisch zu bedeuten? Instinktive Sicherheit ist dem Tier vom Menschen immer geneidet worden. In der Sicherheit angepaßt-sich anpassender Bewegungsführung trägt das Tier, sich in der Welt behauptend, seine Legitimation, seine Geltung mit sich, ist sie selbst. Jene »Behauptung« gegen die Fährnisse des Lebens, die, wenn erfolgreich, sich selbst legitimiert und bereits insofern »gilt«, kann nun als der eine Endpunkt einer Strecke angesehen werden, an deren anderem Ende die »Behauptung« der Gültigkeit weltaufschließender Mittel und Begriffe, wie sie der Mensch anstrebt, steht. Diese Art der Behauptung (man denke an die Etymologie des Wortes) ist zwar unendlich abstrakter als die erstere, dient aber letztendlich demselben Zweck: nur soll hier geistiges Überleben legitimiert werden; das kann aber auch eine Lebensfrage sein, ist es in der Menschheitsgeschichte unentwegt gewesen.
Publication details
Published in:
Claessens Dieter (1968) Instinkt, Psyche, Geltung: Bestimmungsfaktoren menschlichen Verhaltens. eine soziologische Anthropologie. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.
Seiten: 13-19
DOI: 10.1007/978-3-663-02594-8_1
Referenz:
Claessens Dieter (1968) Einleitung, In: Instinkt, Psyche, Geltung, Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 13–19.


