Resümee der Resümees
pp. 178-187
Abstrakt
Mit der Moderne wird das Verstehen zum Problem, sich gegenseitig verstanden oder gar verständigt zu haben zu einer ganz normalen Unwahrscheinlichkeit. Was ehemals aufgrund von Schicht und Glaube als selbstverständlich galt, wird fragwürdig, nichts ist mehr sicher, alles wird kontingent, als einzige Gewißheit bleibt die der Ungewißheit. Wo in einer stratifizierten Gesellschaft mit ihrer hierarchischen Leitdifferenz von oben und unten ein die ungleichen Teilsysteme (Schichten) überspannender semantischer Code von Gott und Teufel, Heil und Verdammnis einzige Quelle unbezweifelbarer Wahrheit(en) war, hat sich aus der semantischen Autonomisierung verschiedener Handlungsbereiche der Gesellschaft eine neue Form der primären gesellschaftlichen Differenzierung entwickelt. Deren Teilsystemgrenzen verlaufen nun nicht mehr entlang relativ undurchlässiger Schichten, sondern entlang gesellschaftlicher Funktionen wie Knappheitsminderung (Wirtschaft), Ermöglichung kollektiver Entscheidungen (Politik), Ausschaltung der Kontingenz normativen Erwartens (Recht), Erzeugung neuen Wissens (Wissenschaft) oder Selektion von Karrieren (Erziehung).
Publication details
Published in:
Wittenbecher Iris (1999) Verstehen ohne zu verstehen: soziologische Systemtheorie und Hermeneutik in vergleichender Differenz. Wiesbaden, Deutscher Universitätsverlag.
Seiten: 178-187
DOI: 10.1007/978-3-663-09107-3_7
Referenz:
Wittenbecher Iris (1999) Resümee der Resümees, In: Verstehen ohne zu verstehen, Wiesbaden, Deutscher Universitätsverlag, 178–187.


