Buch | Kapitel
Streben und Trieb
pp. 199-207
Abstrakt
Über Triebe zu sprechen ist seit jeher ein heikles und problematisches Unterfangen gewesen, obgleich es sich um einen gängigen Terminus der Psychologie handelt, den man kaum entbehren kann. Sigmund Freud wandte sich bereits um die Jahrhundertwende u. a. auch der Klärung der Triebproblematik zu, konnte aber unter einem Trieb «zunächst nichts anderes verstehen als die psychische Repräsentanz einer kontinuierlich fliessenden, intersomatischen Reizquelle». Im Unterschied zum Reiz hielt er für den Trieb fest, dass er nicht durch «vereinzelte und von aussen kommende Erregungen hergestellt wird»1, sondern von innen, von einer somatischen Quelle stammt. Dass Trieben eine enorme Wirkung und somit Bedeutung zukommen kann, ist stets ausser Frage gestanden; über die begriffliche Fassbarkeit wird noch heute gestritten. Für Freud war der Begriff Trieb manchmal «einer der Begriffe der Abgrenzung des Seelischen vom Körperlichen»2, dann wieder ein «Grenzbegriff zwischen Seelischem und Somatischem»3. Durch Erfahrungen aus seiner psychoanalytischen Praxis gelangte er in den zwanziger Jahren zur Überzeugung, dass sich «alles seelische Geschehen über dem Kräftespiel der elementaren Triebe aufbauen müsse»4.
Publication details
Published in:
Imhof Beat W. (1987) Edith Steins philosophische Entwicklung: Leben und Werk. Dordrecht, Springer.
Seiten: 199-207
DOI: 10.1007/978-3-0348-6514-2_14
Referenz:
Imhof Beat W. (1987) Streben und Trieb, In: Edith Steins philosophische Entwicklung, Dordrecht, Springer, 199–207.


