Deutsche Gesellschaft
für phänomenologische Forschung

Buch | Kapitel

198969

Schwierige Jugendliche und die Frage nach den Grenzen der Erziehung

Variationen über ein altes und neues Thema der Jugendhilfe

Christian v. Wolffersdorff

pp. 323-341

Abstrakt

Wer die neueren Diskussionen über Jugenddelinquenz und Gewalt verfolgt, stößt früher oder später unweigerlich auf den Begriff des schwierigen bzw. schwierigsten Jugendlichen, und mit großer Wahrscheinlichkeit begegnet ihm irgendwann auch das Bild von den Grenzen der Erziehung. Wie das Thema intoniert wird, hängt von unterschiedlichen Rahmenbedingungen ab. Während in Tagungsankündigungen die vorsichtige Frageform in Moll vorherrscht ("Wo liegen die Grenzen der Pädagogik?" "Können wir wirklich jeden Jugendlichen erziehen?"), greift man im politischen Bereich eher auf kantiges Dur zurück ("Grenzen setzen", "Einschluß", "Nulltoleranz"). In der öffentlichen Kriminalitätsdebatte, aber auch in fachinternen Diskussionen ist seit einiger Zeit auffallend oft davon die Rede, dass die Jugendhilfe mit ihren herkömmlichen Konzepten zur Erziehung und (Re)Sozialisierung delinquenter Jugendlicher an Grenzen stoße. Nicht nur die drastische Zunahme der Zahl junger Strafgefangener in Deutschland, sondern auch die offenbar wieder wachsende Bereitschaft, in der Jugendhilfe neue Konzepte der umstrittenen geschlossenen Unterbringung zu praktizieren, zeugen von Veränderungen im Umgang mit abweichendem Verhalten, die der Reflexion bedürfen.

Publication details

Published in:

Mnchmeier Richard, et al. (2004) "Liebe allein genügt nicht": historische und systematische Dimensionen der Sozialpädagogik. Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften.

Seiten: 323-341

DOI: 10.1007/978-3-663-10670-8_21

Referenz:

Wolffersdorff Christian v. (2004) Schwierige Jugendliche und die Frage nach den Grenzen der Erziehung: Variationen über ein altes und neues Thema der Jugendhilfe, In: "Liebe allein genügt nicht", Wiesbaden, Verlag für Sozialwissenschaften, 323–341.