Buch | Kapitel
An den Ursprüngen abendländischer Kultur
pp. 85-109
Abstrakt
Urbanisierung, Staatenbildung, politisches Harmoniestreben, Verlust ethischer und ethnischer Divergenz, soziale Vereinseitigung und Vereinheitlichung, bei gleichzeitiger Ausprägung einer Diskurskultur, die auf Konsens, ja »starke Konformität«1 angelegt war (und vermutlich angelegt sein musste): All diese Momente können, aus dem Hintergründigen, den Wandel altgriechischer Musikkonzepte zwischen Archaik und Klassik (7.–5. Jahrhundert) erklären helfen. Der Dramatik historischer Entwicklungen selbst werden sie indes nicht gerecht. Was sich konkret ereignete, lebenswirklich, war eine einschneidende Umorientierung in den kulturellen Identitäten. Immerhin gaben die Griechen zu dieser Zeit sogar ihre Singsprache auf, zugunsten eines Sprechens in »melodielosen«, emotionsbeherrschten Tönen. Vor allem aber fand ein radikaler Umbau der Ritualkultur statt. Er führte zu deren Auseinanderbrechen. Auch hier, und ganz besonders hier, stehen wir an einer Schwelle zur Geschichte des Abendlandes.
Publication details
Published in:
Kaden Christian (2004) Das Unerhörte und das Unhörbare: was Musik ist, was Musik sein kann. Stuttgart, Metzler.
Seiten: 85-109
DOI: 10.1007/978-3-476-02943-0_4
Referenz:
Kaden Christian (2004) An den Ursprüngen abendländischer Kultur, In: Das Unerhörte und das Unhörbare, Stuttgart, Metzler, 85–109.


