Buch | Kapitel
Kostbares Durcheinander
pp. 126-149
Abstrakt
Wo Musik und Macht nahe zusammentreten, würde soziologischer Sachverstand die Entfaltung macht-voller Begrifflichkeiten voraussagen: straffe Kategorisierungen, konturierte Ober- und Unterbegriffe, klare semantische Hierarchien. Grundsätzlich auch haben diese Erwartungen keine Revision nötig. Für das Mittelalter jedoch sprechen die historischen Tatsachen eine, zunächst, andere Sprache. Das überrascht — und kann bei genauerem Zusehen auch wieder nicht verblüffen. Mediaevale Musik, musica, versteht sich weniger ausgrenzend denn assimilationstüchtig. Sie spezifiziert nicht engherzig, sondern generalisiert, sucht, auf oft abenteuerliche Weise, nach verallgemeinernden Brückenschlägen. In ihren Kategorien ist sie dehnbar, schwammig, aufsaugfähig. Das zählt zu ihren höchsten Werten, geistesgeschichtlich, kulturgeschichtlich.
Publication details
Published in:
Kaden Christian (2004) Das Unerhörte und das Unhörbare: was Musik ist, was Musik sein kann. Stuttgart, Metzler.
Seiten: 126-149
DOI: 10.1007/978-3-476-02943-0_5
Referenz:
Kaden Christian (2004) Kostbares Durcheinander, In: Das Unerhörte und das Unhörbare, Stuttgart, Metzler, 126–149.


