Buch | Kapitel
Europa in einer Neuen Welt
pp. 181-212
Abstrakt
Noch im Laufe des Quattrocento, spätestens um 1500 muss sie sich endgültig, und auch praktisch, zur Norm aufgeschwungen haben: die Idee von Musik als Klang- und Tonordnung, die Vision »unserer«, der europäischen Musik. Punktgenau markieren lässt sich die Epochenschwelle nicht. Dass sie überschritten wurde, ist unstreitig. Am klarsten zeigt es sich im Terminologischen. An die Stelle der lateinischen »musica« treten vielfach handfeste, landeseigene Vokabeln. Alle sängerischen und instrumentalen Außerungsweisen vereinen sie unter einem Generalnenner. Und sie ergreifen mit solcher Ober-begrifflichkeit — dies eine besonders innovative Leistung — Besitz auch von den alltagsnahen Sprachgebräuchen. Zuvor hatte man dort lediglich über »Singen«, »Gesang«, »Getön«, »Saitenspiel«, pluralisch unkonzentriert, geredet. Im Englischen ist es nun das Wort music, welches den Ober-Terminus bildet, im Französischen la musique, zwischen Alpenraum und Ostsee die Musik, nicht selten konsonantisch verschärft mit »ck«. Gelegentlich sogar beruft man sich, wie in dem Basler Traktat des Sebastian Virdung von 1511, auf eine Musica getutscht, eine eingedeutschte musica.
Publication details
Published in:
Kaden Christian (2004) Das Unerhörte und das Unhörbare: was Musik ist, was Musik sein kann. Stuttgart, Metzler.
Seiten: 181-212
DOI: 10.1007/978-3-476-02943-0_7
Referenz:
Kaden Christian (2004) Europa in einer Neuen Welt, In: Das Unerhörte und das Unhörbare, Stuttgart, Metzler, 181–212.


